Golf ist wie eine Liebesaffäre:
Nimmt man es nicht ernst, macht es keinen Spaß,
nimmt man es aber ernst, bricht es einem das Herz.

Schöne Parkland-Kurse kann man überall spielen. Richtige Links-Course, also klassische Dünenplätze am Meer, wo auch meist noch ein ordentlicher Wind weht, dagegen nur in wenigen Regionen Europas. Je nach Höhe der Dünen können solche Kurse flach und übersichtlich, oder auch wild und dramatisch sein. Einige der besten davon befinden sich im Norden Irlands.

Die Reiseroute im Überblick

Beginnen wir unsere Reise in Irlands Hauptstadt Dublin. Eine junge pulsierende Stadt mit einem der besten und bekanntesten Nachtleben Europas. Speziell die Gegend um die weltberühmte Temple-Bar lockt jeden Abend Tausende von Besuchern an, die dann bei Life Musik und mit einem pint of Guinness auf irische Folklore machen.


Doch zurück zum Golf. Am besten wohnt man gleich im Portmarnock-Hotel, wo sich auch der erste, gleichnamige Golfplatz unserer Reise befindet. Spielen Sie ruhig den Bernhard Langer-Platz Portmarnock Links, er steht dem bekannteren Championship-Platz in nichts nach, ist aber günstiger und man bekommt einfacher die gewünschte Abschlagszeit. Der Platz ist offen, sehr gut zu spielen und bietet einen idealen Einstieg in Irlands Links-Course.

 

 
Golfplatz Ardglass
Das beeindruckende Clubhaus

Fährt man weiter in den Norden Irlands sollte man den Golfplatz Ardglass keinesfalls rechts liegen lassen. Ein wunderschöner Golfkurs mit fantastischen Löchern und Aussichten.

Das imposante Clubhaus, welches an ein altes Castle erinnert, gilt immerhin  als das älteste Clubhaus der Welt (teilweise aus dem 15. Jahrhundert) und ist an sich schon ein Erlebnis. 

Umso verwunderlicher, dass man ausgerechnet hier junge Iren in Bluejeans am Abschlag sieht.

Der 75-jährige Ian Duff, im Jahr 1994 war er immerhin „Ardglass Club Captain“ und spielt heute noch mindestens fünfmal die Woche, meint dazu etwas resignierend, dass man eben Kompromisse machen muss, will man die Jugend für den Sport gewinnen.

 

 

 
Gleich der erste Abschlag eröffnet einen beeindruckenden
Blick in die zu erwartende Dünenlandschaft.
Giant’s Causeway

Der nächste Stopp auf unserer Reise ist der Golfplatz Portstuart. Hier befindet man sich hoheitlich bereits in Nordirland und sollte besser ein paar englische Pounds in der Tasche haben, will man keinen ungünstigen Wechselkurs zum Euro in Kauf nehmen.

Überhaupt werden die ersten 9 Löcher teilweise von höheren Dünen gesäumt und sind ziemlich interessant. Die Backnine dagegen führen wieder ins offene Gelände, geben spielerisch nicht mehr viel her, bieten dafür aber schöne Aussichten auf die Irische See.



Auf der Weiterfahrt zum nächsten Golfplatz Portrush, sollte man unbedingt einen Abstecher zum Giant’s Causeway machen, welcher seit 1986 UNESCO-Welterbe-Stätte ist. Zu bestaunen gibt es hier rund 40.000 gleichmäßig geformte Basaltsäulen, die meistens sechseckig sind mit einer Höhe von bis zu 12 Metern. Wirklich sehenswert, was die Natur ausgerechnet an dieser Stelle von 60 Millionen durch unterschiedlich auskühlende Lava geschaffen hat.

 

 
Bushmill's Hotel
Portrush

Eine interessante Übernachtungsmöglichkeit findet man unterwegs im Bushmills Hotel des gleich-namigen Ortes. Ein altes, traditionelles Hotel mit ausgezeichnetem Restaurant und verschiedenen Bars. Und falls Sie nicht nur Golf spielen wollen, machen Sie ruhig eine Führung  durch die Whiskey-Brennerei Bushmills. Immerhin der älteste Whiskey-Produzent der Welt mit einer über 400-jährigen Tradition.

Portrush ist unser nächster Golfplatz, den wir erreichen. Ein alter, traditionsreicher Club, der seine Vornehmheit entsprechend zelebriert. Wo sonst wird man von einem Starter mit Club-Jackett und Krawatte zum ersten Tee begleitet und mit wissenswerten Details über den Platz informiert.

Dieser Platz gilt zwar als einer der besten Links-Course der Welt, ist auch entsprechend teuer, aber warum dies so ist, hat sich zumindest dem Autor dieses Artikels nicht erschlossen. Die ersten sechs Löcher sind offen und geben landschaftlich wenig her, bis es ab Loch Nr. 7 in die schönere Dünenlandschaft geht. Sehr interessant ist das Loch 16 (Calamity Corner), ein erhöhtes Par 3 mit knapp 200 Metern und enger Landezone. Wer hier nicht richtig trifft, findet sich schnell rechts in einem Abhang wieder und hat – falls man seinen Ball überhaupt wieder findet – einen schwierigen zweiten Schlag vor sich. Trotzdem hat das Loch nur Stroke-Index 16, was wiederrum für die Klasse der Mitglieder spricht.

Einen ordentlichen Links-Course hat der Golfclub Castle Rock zu bieten. Nicht spektakulär, aber interessant und mit einigen spannenden Spielbahnen. So zum Beispiel das Loch Nr. 8, denn hier kann man auch vom höchsten Tee nur erahnen, wo der Fairway verlaufen könnte und es braucht schon einen guten Abschlag, um nicht in den Dünen zu landen. Insgesamt ist der Platz nicht viel schlechter als der wesentlich renommiertere Golfplatz Portrush, aber deutlich billiger und mit freundlicherem Personal. Gut, das Clubhaus ist vielleicht nicht gerade das schönste, aber auch dort bekommt man nach der Runde sein Guinness und eine Kleinigkeit zum Essen.

 

 
Old Links Course
Glashedy Course

Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel Ballyliffin kann man – will man nicht einen großen Umweg über Derry machen – die Fähre von Magilligan Point nach Greencastle nehmen. Kostet nur ein paar Euro, ist sehr interessant und man spart sich gut 1 ½ Stunden Fahrt.

Ballyliffin hat zwei herausragende Plätze. Den moderneren Glashedy Course und den Old Links Course.

Beide Course sind sehr interessant  und bieten alles, was Golfer mögen, die gerne Links-Plätze spielen. Dem fast 50 Jahre älteren Old Links Course merkt man sein Alter an, denn im Gegensatz zum gestylten Glashedy Course steht man hier selten gerade und auf den unebenen Fairways machen manche Bälle seltsame Sprünge.

Ballyliffin Golf - Clubhouse

Sehr freundliche Mitarbeiter, ein architektonisch gelungenes Clubhaus und zwei tolle Golfplätze mit akzeptablen Preisen sorgen dafür, dass der Ballyliffin Golf Club jedem Besucher in guter Erinnerung bleibt. Wohnen lässt es sich übrigens prima im nahegelegenen Ballyliffin Lodge & Spa Hotel.

 

Eine Golfreise durch  den Norden Irlands wäre unvollständig, hätte man nicht die Sandy Hills Links von Rosapenna gespielt.  

Auch hier gibt es zwar den wesentlich älteren Old Tom Morris Course (eröffnet 1893, überarbeitet 2009), der flacher und leichter ist,  aber das Meisterwerk ist sein jüngerer Bruder Sandy Hills.

Pat Ruddy hat hier einen wahrlich fantastischen Links-Course in die Dünen gezaubert, der von ausgezeichneter Qualität und mit seinen 70 Euro-Greenfee bei Online-Buchung sogar ausgesprochen preisgünstig ist. Mächtige Dünen,  zwischen denen sich die engen Fairways schlängeln und spektakuläre Ausblicke, wie auf der 6. Spielbahn, wenn die ganze Bucht von Sheephaven vor einem liegt, sorgen für unvergessliche Eindrücke.


Fazit: Wer zum Golfen in Irlands Norden reist, um Links-Course zu spielen, sucht sicherlich keine top gepflegten Fairways mit Blumenrabatten an Wegesrand. Was man hier sucht und findet ist Natur pur mit unvergleichlichen Landschaften und einzigartigen Golfplätzen, netten Menschen, die gerne einen trinken und  Besuchern gegenüber sehr aufgeschlossen sind. Nur hier findet man in Bars Hinweise für Entschuldigungsschreiben an die Frau – in Gestalt von Brillant Irish Text Message:
„Mary, I´m just having one more pint with the lads. If I´m not home in 20 minutes, read this message again.”

 

An den Links-Verkehr gewöhnt man sich irgendwann, an das Spielen von Links-Coursen aber sicherlich nie.  


Autor: Wieland Wagner
Fotos: Wieland Wagner, Ballyliffin Golf Club

 

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